|
CITY NEWS DRESDEN
Schlaflos in Naußlitz
Seit gut einer Woche wacht Christa Freitag immer häufiger mitten in
der
Nacht auf und kann nicht mehr einschlafen. Ähnlich geht es in
Naußlitz
auch der sechsköpfigen Nachbarsfamilie Kind. "Wir schieben diese
plötzlichen Schlafstörungen und die Appetitlosigkeit der Kinder auf
die
UMTS-Mobilfunk-Basistation auf dem Wohnhaus auf der
Alfred-Thiele-Straße
36b", erklärt Olaf Kind.
Mitte November pflanzte T-Mobile den Mast
aufs
Dach. Einen Monat später ging er in Betrieb. Das wollen die
Naußlitzer
nicht hinnehmen und verlangen mit 83 Unterschriften: Das Teil muss
weg!
"Das Bauauf-sichtsamt gab das Bürgerbegehren inzwischen an das
Stadtplanungsamt und den Denkmalschutz weiter", bestätigte der
Dresdner
Rathaus-Sprecher Karl Schuricht gestern auf DNN-Anfrage.
Die frustrierten Anwohner wollten wissen, wie in einer
denkmalgeschützten Siedlung solch eine meterhohe Anlage samt
brummendem
Kühlaggregat errichtet werden kann und gründeten eine
Bürgerinitiative.
Eine erste Antwort gab der Cottaer Ortsamtsleiter Edmund Seifert. Von
der Bauaufsicht des Ortsamtes habe der Funknetzbetreiber bereits
Anfang
September die Baugenehmigung erhalten.
"Zuvor soll von der
Regulierungsbehörde grünes Licht für den Bau der Mobilfunksendeanlage
gegeben worden sein", hat Olaf Kind, der Sprecher der
Bürgerinitiative,
erfahren. Ortsamtsleiter Seifert riet den Betroffenen nun, einzeln
mit
Widersprüchen gegen den Entscheid vorzugehen.
Die Station sei an dieser Stelle nötig, um das UMTS-Netz aufzubauen.
begründet Pressesprecher Georg v. Wagner von T-Mobile den Bau. Der
Denkmalschutz sei nicht Sache seines Unternehmens. "Die
Baugenehmigung
liegt vor, die Anlage ist seit 16. Dezember im Probebetrieb." Dass
die
Anwohner über Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit klagen ist ihm völlig
unverständlich, die von der Bürgerinitiative ins Feld geführte
elektromagnetische Strahlung sei nicht relevant. "Wir unterschreiten
die
von der Weltgesundheitsorganisation geforderten Werte für UMTS bei
2,1
Gigahertz mit 61 Volt pro Meter um das Hundertfache", betont v.
Wagner.
In der Tat gibt es kaum wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse über
die
Folgen selbst niedrigster Strahlung. Eine in Bayern beauftragte
Handy-Studie wurde aus Kostengründen auf Eis gelegt.
Ob Gutachten oder nicht, für die Naußlitzer steht fest: "Beschwerden
wie
Schlaflosigkeit, Herzrasen und Kopfschmerz hatten wir vorher nicht",
gibt sich Christine Kind nicht geschlagen.
Kerstin Ardelt
letzte Aktualisierung von 06.01.2004 |