Angst vor Mobilfunk: Familie zog in den Keller

Auszug: Kölnische Rundschau, Pfingsten 2001

 

Bürgerwelle Eifel sieht Zusammenhang zwischen Sendemasten und Krebserkrankungen

- Fünfköpfige Zingsheimer Familie leidet an Tinnitus -

  

Kall. Die immer wieder aufflammende Diskussion um die Aufstellung von Mobilfunkmasten zeigt deutlich die Verunsicherung, die bei vielen Bürgern herrscht. Sind gesundheitliche Gefahren durch Handy-Wellen wirklich ausgeschlossen, wie es die Mobilfunkbetreiber immer wieder versichern?

Da gehen auch die Expertenmeinungen auseinander. Befürworter und Gegner können gleichermaßen auf ein reichhaltiges Sortiment an Gutachten und Expertisen zurückgreifen.

Die Aktivisten der Bürgerwelle Eifel haben indesssen keinen Zweifel mehr daran, dass von den Sendemasten gesundheitliche Gefährdungen ausgehen. Am Donnerstagabend präsen-tierten Gerd Ernst Zesar und der Kaller Apotheker Jürgen Lutsch einige "Fallbeispiele"

In denen sie direkte Zusammenhänge zwischen Erkrankungen und der Errichtung von Mobilfunksendeanlagen sehen.

Dabei handelt es sich um eine Frau und deren Sohn aus Zingsheim, die 1999 durch den Krebstod des Familien-vaters stutzig wurde und in der Nachbarschaft nach weiteren Fällen suchten. Tatsächlich seien seit 1995 sechs Anwohner in einer Straße an Krebs erkrankt. 1995, so die Beobachtung der Familie, sei auch der erste von heute drei Mobilfunksendern im Ort in Betrieb gegangen.

Mittlerweile ist auch der 23-jährige Sohn an Hodenkrebs erkrankt. Auch eine andere Zingsheimerin sieht Zusam-menhänge zwischen gesundheitlichen Problemen und Mobilfunk. Aus diesem Grund ist die junge Mutter mit ihrer Familie in den Keller ihres Hauses gezogen. Vor acht Jahren kaufte sie mit ihrem Mann das Haus. Bis dahin waren sie seltener Gast bei Ärzten und Apothekern.

Seit gut einem Jahr aber leiden alle fünf Familienmitglieder, darunter auch drei Kinder, an Tinnitus, einem nervenaufreibenden Klingelton im Ohr. Hinzu, so erklärt die Mutter, kommen weitere Symptome von der einfachen Hautrötung über ständige Tagesmüdigkeit bis hin zu Migräneattacken.

Der Apotheker weiß von vielen Fällen!

Gerd Ernst Zesar, der bei der Familie Messungen durchführte, bestärkte die Familie in deren Vermutung, dass ihr Haus in Sichtweite eines Sendemastes belastet sei. Gemäß Zesars Messapparatur ist das Haus der Familie einer Belastung ausgesetzt, wie sie auch von einem sendenden Handy im Abstand von einigen Zentimetern auf dem Messgerät verursache.

Diese Fälle seien aber nur die Spitze des Eisberges, erklärte Apotheker Lutsch. Er habe zahlreiche Kunden, die unter unerklärlichen Krankheitssymptomen litten, für die es keine organische Erklärung gebe.

Meist würden diese Menschen in psychologische Behandlung überwiesen, obwohl die Ursache an ganz anderer Stelle zu suchen sei. So ließen Bluthochdruck und Herzrasen oft sofort nach, sobald die Patienten durch den Besuch in einer Fachklinik ohne unmittelbare Nachbarschaft zu Sendemasten, durchführten. Viele Betroffene seien inzwischen sogar so stark in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt, dass sie über den Verkauf ihrer Häuser nachdächten. Doch an die Öffentlichkeit wollten sie nicht gehen, da sie den Preisverfall beim Verkauf befürchteten.

     
     

Helmut Langenbach  
Mitglied der Bürgerwelle e.V. 
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