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Dr. med. Regina Vogt-Heeren
Frauenärztin
Hindenburgstr.17
90556 Cadolzburg
Erfahrungen mit dem DECT-Telefon
Als ich im Herbst 2004 begann, an Zeichen eines
„Überlastungssyndroms“ zu leiden (Erschöpfungszustän-de,
Durchfälle, dazu anfallsweise auftretende Blutdruckkrisen), war für
meine Umgebung klar, dass diese mit meiner Lebenssituation
zusammenhängen. „Das ist der Stress“, „Setz’ dich mal aufs Sofa und
leg’ die Beine hoch!“ oder „Machen Sie mal Urlaub“ waren die
gut gemeinten Ratschläge, und vielleicht auch nahe liegend. Eine
Familie mit 4 Kindern, Berufstätigkeit in Gemeinschaftspraxis und
diverse ehrenamtliche Aufgaben ließen für Außenstehende keinen
Zweifel daran, dass ich zu lange über meine Kräfte gelebt hatte.
Irgendwann glaubte ich auch so halb daran, kamen diese „Zustände“
immer häufiger und intensiver.
Das erste Mal konsultierte ich einen internistischen Kollegen Ende
September in einem derartigen „Anfall“. Wenn ich schildern darf, was
ich fühlte, waren das v.a. massive Angstgefühle, der Eindruck, nicht
klar denken zu können; aufgrund des Druckgefühls im Brustkorb dachte
ich an einen Herzinfarkt, und ich hatte wirklich Angst, nun tot
umfallen zu müssen. Der Blutdruck schnellte auf 160/90 hoch
(normalerweise habe ich eher einen niedrigen Blutdruck), begleitend
stellten sich Durchfall und Muskelzittern, ähnlich einem
Schüttelfrost, ein. Diese Angstzustände besserten sich zunächst
spontan nach ca. 30 Minuten.
Diagnostisch wurde zunächst durch EKG und Troponinschnelltest der
akute Infarkt ausgeschlossen. Es folgten Belastungs-EKG, später
Langzeit-EKG, Blutdruckmessung, Herz- und Oberbauchultraschall.
Allerdings hatte ich damals, als die Manschetten am Arm hingen,
keine derartigen Anfälle und da die Blutdruckwerte lediglich im
oberen Normbereich lagen, verzichteten wir zunächst auf eine
Behandlung.
Diese Anfälle, bevorzugt in den späten Abendstunden und nachts,
häuften sich jedoch, sie wurden auch immer länger; außerdem nahm der
Blutdruck im Anfall immer höhere Werte an (aus völliger Ruhe heraus
bis 180/110). Ich begann eine Medikation, gleichzeitig wurde ich auf
das „Phäochromozytom“ hin untersucht (meist gutartiger
Nebennierenrindentumor, der anfallsartig „Stresshormone“ ausschüttet
und insofern durch Blutdruckkrisen auffällt). Das Ergebnis war
negativ.
Zwei Wochen später wurde ich im präkollaptischen Zustand aus meiner
Praxis heraus zum Internisten gefahren, wiederum in einer
Blutdruckkrise.
Nun zeigte sich der internistische Kollege doch offensichtlich
besorgt. Er veranlasste ein sofortiges NMR des Kopfes, zum
Ausschluss eines evtl. Hirntumors, gleichzeitig ein CT Abdomen, um
durch Darstellung der Nebennieren nochmals das Phäochromozytom
auszuschließen. Die Blutdruckmedikation wurde gesteigert, was
wiederum für ca. 2 Wochen mich ziemlich „anfallsfrei“ leben ließ.
In der letzten Oktoberwoche traten wiederum oben besagte „Zustände“
auf, heftiger als je zuvor, da ich zudem nachts nicht mehr schlafen
konnte. Ich hatte aufgrund der Durchfälle 2 kg in einer Woche
abgenommen, die Erschöpfungszustände verstärkten sich immer mehr.
Teilweise schüttelte es mich am ganzen Körper. Nach drei Nächten, in
denen ich wirklich kein Auge zugetan hatte, war ich am Ende meiner
Kräfte und, mit Rücksprache mit meinem Internisten („ich mache mir
ernsthafte Sorgen, vielleicht steckt irgendetwas Seltenes dahinter“)
ging ich freiwillig in die Klinik nach Nürnberg.
Am belastendsten für mich in dieser Situation war die ausgeprägte
Angst, die ich unentwegt spürte.
Der Blutdruck bei Aufnahme betrug 170/110; da die Klinik sehr voll
war, musste ich bis nachmittags auf ein freies Bett warten.
Innerhalb von 2 Stunden waren Blutwerte abgenommen worden, das
Aufnahmegespräch und die orientierende Untersuchung wurden
durchgeführt und ich hing wieder an Langzeit-EKG und
-blutdruckmessung. Langsam und allmählich sank der Blutdruck, und
das ohne jede Medikation! – bis er abends Normalwerte angenommen
hatte. Durch Sammlung von 24 Stunden Urin sollte ich wiederum auf
das „Phäochromozytom“ hin abgeklärt werden. Merkwürdigerweise war
hier im Krankenhaus keine einzige „Blutdruckkrise“ zu verzeichnen;
im Gegenteil, die Werte betrugen stets um die 120/80!! Sie können
sich vielleicht denken, wie ich mir da vorkam!
Wegen des langen Wochenendes am Feiertag des 1.11. wurde ich von
Samstag bis Montag beurlaubt, da die Untersuchungen noch nicht
abgeschlossen waren. Gleich in der ersten Nacht zeigte ich erneut
das gewohnte Bild (ich möchte mich nicht dauernd wiederholen) und
ich wurde eigentlich immer verzweifelter. Nach dem Wochenende drei
Tage wieder in der Klinik zur Durchführung eines speziellen
Szintigramms: keinerlei Symptome! Im Entlassungsbericht wurde
vermerkt: „Ein Anhalt für eine organische Ursache der Hypertonie
fand sich nicht. (...) Grundsätzlich wären Entspannungsmaßnahmen
bzw. Änderung der Lebensgewohnheiten, sofern im Praxisalltag
möglich, zu empfehlen. Entlassungsmedikation: Metoprolol 1-0-0.“
Selbstverständlich beginnt Frau dann an sich selbst zu zweifeln;
eine psychische Ursache, zumindest mit verantwortlich, erschien mir
nahe liegend. Ich begann also, entsprechend den Empfehlungen mit
Entspannungsübungen, außerdem mit einer leichten Hormonbehandlung
unter der Vorstellung, dass dies evtl. etwas ungewöhnliche
Wechseljahrserscheinungen sein könnten. Zumindest traten die
„Anfälle“ nicht mehr auf und der Blutdruck ließ sich – vorübergehend
– besser einstellen.
Das ging wiederum ca. 3 Wochen gut. Nun traten die Schlafstörungen
in immer massiveren Formen auf. Ich konsultierte eine Neurologin,
zur Frage einer evtl. larvierten Depression. Das durchgeführte EEG
kommentierte sie mit den Worten „Etwas chaotisch!“ Das mir
mitgegebene Antidepressivum hatte ich in den folgenden 6 Wochen
öfter in der Hand und habe mich gefragt: „Soll ich das nun nehmen
oder nicht?“ Im Nachhinein bin ich froh, dass ich es nie begonnen
habe, hätte es wahrscheinlich die Symptomatik unterdrückt und wären
wir letztendlich doch nicht so bald auf die Ursache meines Leidens
gekommen.
Nun stand Weihnachten vor der Tür, und wir hatten 1 Woche Urlaub
gebucht, eine Zeit, in der ich hoffte, doch etwas mehr Ruhe zu
finden.
Wieder schlief ich in den letzten drei Nächten vor unserer Abreise
nicht. In der Urlaubswoche spürte ich aber doch eine gewisse
Erholung.
Wieder zu Hause (die Schlafstörungen hatten sich prompt wieder
eingestellt) wurde ich immer verzweifelter. Ich musste die
Blutdruckmedikation stetig steigern, um noch den gleichen Effekt zu
erzielen, bekam aber abends und nachts doch oft keine Ruhe. Ich
konsultierte einen uns befreundeten Psychotherapeuten, der mir die
Empfehlung gab, doch evtl. eine Therapie zu beginnen. Außerdem
musste ich tageweise auf Tabletten zurückgreifen, um überhaupt noch
schlafen zu können.
Ich begann mir ernsthafte Gedanken darüber zu machen, wie ich meine
Praxis würde weiterbetreiben können; jedenfalls konnte ich mir im
Januar 2005 nicht vorstellen, so weiterarbeiten zu können, wenn die
beschriebenen Symptome sich nicht bald bessern würden. Ich fühlte
mich ziemlich am Ende meiner Kräfte und war verzweifelt, hatte ich
gar keine Idee, woher diese seltsamen Symptome stammten.
Um diese Zeit fiel meinem Mann ein Artikel in die Hände, der von den
hohen Strahlungsemissionen von DECT-Telefonanlagen handelte. Wir
hatten im Sommer 2003, also ein Jahr vor Auftreten der ersten
Symptome, ein solches Telefon installieren lassen. Unwissend wie wir
waren, lag die Basisstation im Arbeitszimmer, das neben dem
Schlafzimmer liegt (Auskunft des Telekommitarbeiters damals: „Das
macht nichts!“) .
Vielleicht weil ich immer wieder berichtet hatte, wie „frei“ ich
mich draußen im Wald, fühlte, und weil auch mir aufgefallen war,
dass es mir doch manchmal in diesen zahlreichen schlaflosen Nächten
gelang, wenigstens für 2 Stunden Ruhe in einem der Zimmer unserer
Kinder zu finden, schlug mein Mann mir vor, doch unsere Zimmer mal
auf Hochfrequenzstrahlung messen zu lassen. Das war Anfang Februar
2005. Ehrlich gesagt, glaubte ich nicht an einen Zusammenhang, ja
wusste bis dahin nicht einmal so genau, wie ein solches Telefon
überhaupt funktioniert!
Das Ergebnis war erschütternd: über meinem Bett waren im
Hochfrequenzbereich Spitzenwerte um 390 Mikrowatt/Quadratmeter (von
Baubiologen empfohlen sind ca. 5 Mikrowatt/Quadratmeter als sog.
„schwache Anomalie“) messbar, im Niederfrequenzbereich ca. 520 V/m
(auch hier empfohlen max. 5 V/m).
Dennoch war ich immer noch skeptisch; so viel hatte ich schon
versucht, und bei keiner meiner Theorien zur Entstehung dieser
seltsamen – für mich „Krankheit ohne Namen“ – hatte ich eine
anhaltende Besserung erfahren. Warum sollte mein Problem daran
liegen? Aber gut, in der Verzweiflung greift man nach jedem
Strohhalm.
Eine Woche, nachdem wir unser Haus mit Netzfreischaltern versorgt
und die Telefonanlage ins Erdgeschoss verbannt hatten, hörten die
Durchfälle auf. Nach einer weiteren Woche schlief ich zum ersten Mal
seit fast einem Jahr einigermaßen gut, ohne öfter aufzuwachen.
Wenn ich diesen „Zustand“, den ich nun erleben durfte, beschreiben
müsste, ich würde es so tun: als würde eine Last von meiner Seele
abfallen: so muss sich jemand fühlen, der von einer schweren
Krankheit genesen darf. Eigentlich merkte ich erst jetzt, wie
schlecht es mir vorher gegangen war.
Zwei Wochen nach Umstellung der Anlage begann ich, die
Blutdruckmedikation auszuschleichen, die ich Ende April habe
absetzen können. Langsam und allmählich besserten sich die
Angstzustände und traten immer seltener auf. Was mir seitdem blieb,
ist ein etwas „dünneres Nervenkostüm“ als ich meine, es vorher
gehabt zu haben.
Durch Kontakte zum Bund Naturschutz erfuhr ich erstmals vor kurzem,
dass es für diese „Krankheit“ – die für mich immer noch die
„Krankheit ohne Namen“ gewesen war – einen Begriff gibt:
„Mikrowellensyndrom“. Im Nachhinein interpretiere ich die Störungen,
die bei mir auftraten, als einen Zusammenbruch sämtlicher
vegetativer Funktionen durch langandauernde Stresseinwirkung.
Während des ganzen Jahres unter dem Einfluss der Telefonanlage war
ich nie in eine Tiefschlafphase gekommen, die dem Körper erst
wirkliche Erholung bietet. Und insofern hatte meine Umgebung mit der
„Stresstheorie“ doch recht!! – stammte dieser Stress jedoch nur von
einer anderen, ungewöhnlichen Quelle.
Ich spreche zu Ihnen aus drei Gründen:
Gerade als Ärztin ist es mir ein Bedürfnis, dass wir alle bei
Symptomen wie beschrieben differentialdiagnostisch
Hochfrequenzstrahlung als mögliche Ursache unklarer vegetativer
Beschwerden – nach Abklärung der organischen – in Betracht ziehen.
In meinem Fall hätte man bereits nach meinem Krankenhausaufenthalt
im November dran denken können, wäre nur mehr über diese „Krankheit“
bekannt und würden auch mehr Kollegen einfach darüber etwas wissen.
Seriöse Forschungen über die Auswirkungen von Hochfrequenz auf den
menschlichen Organismus müssen intensiviert werden, was letztendlich
auch finanziell von durchaus volkswirtschaftlicher Bedeutung ist
(immerhin mussten in meinem Fall Rechnungen von mehr als 4000 Euro
beglichen werden – für nichts! Ein wahrhaftig teures Telefon!).
Sicher ist nicht jeder Mensch gleich empfindlich, und hier beginnt
schon die Schwierigkeit: ich brauche eine Versuchgruppe
„elektrosensibler“ Personen. Wie bei einer Medikamenteneinnahme sind
Grenzwerte festzulegen, die sich am „schwächsten“ Organismus
orientieren. Gerade die Effekte durch Langzeiteinwirkung (> 1 Jahr)
sind hier von Bedeutung und bisher wenig erforscht und damit
bekannt.
Inzwischen sind etliche Fälle bekannt und gesammelt worden mit einer
ähnlichen Geschichte, wie ich sie Ihnen jetzt vorgetragen habe.
Hätte ein Medikament ein derartiges Nebenwirkungsspektrum, wäre es
vermutlich schon lange vom Markt genommen worden!! Leider haben wir
es bisher in Deutschland nicht geschafft, Grenzwerte zu etablieren
oder auf die möglichen Gefahren (z.B. Warnhinweise beim Kauf von
Handys oder DECT-Telefonen) hinzuweisen. Im Gegenteil: Menschen, die
aufgrund dessen erkrankt waren oder sind oder die lediglich vor den
Gefahren warnen, werden allzu oft in die Ecke der Hypochonder oder
„Spinner“ gestellt. Aber: Es kann jeden treffen!!!
Dr. med. Regina Vogt-Heeren
Frauenärztin
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