Im Freien
telefonierende Handynutzer setzen sich bei Gewittern möglicherweise
einer erhöhten Gefahr aus, vom Blitz getroffen zu werden. In der
jüngsten Ausgabe der Medizinerzeitschrift "British Medical Journal"
berichten drei Londoner Ärzte über den Fall einer von ihnen
behandelten 15-Jährigen, die während eines Unwetters in einem
Stadtpark von einem Blitz getroffen wurde, während sie ihr Handy
benutzte.
Die Mediziner fanden daraufhin Presseberichte
über drei ähnliche Fälle, die sich zwischen 1999 und 2005 in
Malaysia, Südkorea und China ereignet haben sollen. In der
medizinischen Literatur wurde aber bisher über vergleichbare
Ereignisse nicht berichtet. Die Ärzte des Northwick Park Hospital
fordern in ihrem Aufsatz nun genauere Untersuchungen, um das Risiko
für Handynutzer bei Gewittern besser einzuschätzen.
Die Gefahr durch "dieses seltene Phänomen" könnte dem Bericht
zufolge in den Metallbauteilen des Mobiltelefons begründet liegen.
Da der Blitz immer den leichtesten Weg zum Boden suche, könne ein
aufrecht stehender und möglicherweise noch nasser Mensch mit einem
Telefon ein ideales Ziel sein, schreiben die Mediziner Swinda
Esprit, Prasad Kothari und Ram Dhillon. Sie kritisieren, dass
Verhaltensratschläge nationaler Behörden zu dem Thema entweder
nicht existieren oder widersprüchlich sind. So warne die zuständige
australische Stelle ausdrücklich davor, sich mit Handys oder auch
Festnetztelefonen bei Gewitter ins Freie zu wagen.
Der US-Wetterdienst National Weather Service
meine dagegen, beide Telefonarten seien sicher, "weil es keinen
direkten Weg zwischen Ihnen und dem Blitz gibt".
Die 15-jährige aus London hatte durch den Blitzschlag einen
Herzschlag erlitten, konnte aber reanimiert
werden. Zunächst schien es ihr danach gut zu gehen. Nach einem Jahr
kann sie sich aber nur noch im Rollstuhl fortbewegen, weil sie
unter komplexen körperlichen, kognitiven und emotionalen
Problemen leidet.
Sie erlitt einen asystolischen Herzstillstand und hat keine Erinnerung an den
Unfall. Wie sich herausstellte, war auch ihr
Trommelfell im linken Ohr durchstoßen, der Seite, auf der sie das
Handy gehalten hatte.
Normalerweise ist ein Blitzschlag relativ selten wirklich
lebensbedrohlich: Durch den hohen Widerstand der menschlichen Haut
wird der Strom entlang des Körpers in die Erde geleitet, ohne
tatsächlich in den Körper einzudringen. Das Phänomen wird als
Überschlag bezeichnet.
Das Magazin warnt deshalb davor, bei Gewitter im Freien zu
telefonieren. Das Risiko schwerer bis tödlicher Verletzungen bei
einem Blitzeinschlag steige dadurch massiv an. |